Schulpastoral

I. Grundsätzliches

Schulseelsorge verstehen wir als integrierte Schulseelsorge mit exemplarischer Präsenz. D.h.:

1. Seelsorge

„Seelsorge“ im Lebensraum Schule ist nicht zu verwechseln mit einer „Schülerseelsorge“, sondern ein Angebot ganzheitlicher Heilssorge an alle, die zum Lebensbereich unserer Schule gehören. Ganzheitliche Heilssorge besagt, dass der Mensch in seiner leib-geistigen Verfasstheit in den Blick genommen wird.

2. Integration

Unter dem Stichwort „Integration“ fassen wir, dass Schulseelsorge nicht etwas Zusätzliches ist, sondern zutiefst zum Eigentlichen des Lebensraums Schule gehört und den besonderen Charakter einer bischöflichen Schule ausmacht. Von daher ist jeder auch Subjekt und Träger der Seelsorge, Lehrer, Schüler und Eltern.

3. Exemplarische Präsenz

Mit dem Begriff „exemplarische Präsenz“ soll eine dritte Dimension beschrieben werden. Zum einen kann nicht jeder an allen Orten präsent sein, sondern ist dazu gerufen, auf je eigene Weise an seinem Ort exemplarisch Christsein zu leben. Zum anderen zeigt sich darin die Grundverfasstheit des Menschen, der mit unterschiedlichen Talenten ausgestattet ist.

II. Verwirklichung

Auch eine „Schulgemeinde“ ist eine Kirche im Kleinen, Kirche am Lebensort der Menschen. Das Herzstück jeder christlichen Gemeinde ist die Pflege der Beziehung zum dreifaltigen Gott. Damit lassen sich die Grundvollzüge von Kirche, Liturgie, Verkündigung und Nächstenliebe sowie Gemeinschaft, auch auf die Schule anwenden:

1. Leiturgia – Gottesdienst

Diese Grundfunktion der Kirche verwirklicht sich an unserer Schule in folgenden Weisen:

  • die Feier hl. Messe dreimal in der Woche nach Altersstufen. Dabei wird Rücksicht auf die unterschiedliche Verfasstheit und verschiedenartige kirchliche Sozialisation der Schüler genommen. Die verschiedenen Schülergruppen sind im Blick und werden – mit Hilfe des Unterrichts – an die Messfeier herangeführt und dürfen sich nach ihren Möglichkeiten und Wünschen an der Gestaltung beteiligen (Messdiener, szenisches Spiel, Lektorendienst etc.), die im Religionsunterricht verankert ist.
  • Wort-Gottes-Feiern, die in unregelmäßigen Abständen von eigens geschulten Eltern vorbereitet und durchgeführt werden
  • die Arbeitsgemeinschaft der Sakristeihelfer unterstützt den Schulseelsorger bei den anfallenden Arbeiten zur Vor- und Nachbereitung der Kirche für den jeweiligen Gottesdienst
  • die Feier der hl. Messe an den „Knotenpunkten“ des Schul- und Kirchenjahres: Einschulung und Segnung der Sextaner, Piusfestmesse (oft im Dom), der Beginn der österlichen Fastenzeit am Aschermittwoch, die Feier des Abiturs, das Schuljahresende mit dem Segen für die Ferien-
  • Gottesdienste zu bestimmten Anlässen wie zu Beginn des Advents oder der Weihnachtsferien, Bischofsbesuchen, Gedenkfeiern, aber auch Todesfälle oder Katastrophen
  • das Morgengebet zu Beginn des Unterrichts
  • das Projekt „offene Schulkirche“ als Raum der Stille und des persönlichen Gebets, montags bis donnerstags vormittags
  • dazu zählt auch die Spendung von Sakramenten, wie Taufe und Ehe, aber auch Begräbnisfeiern und Gedenkgottesdienste, die oftmals aus dem Religionsunterricht erwachsen.

2. Martyria – Glaubenszeugnis

Diese Grundfunktion der Kirche verwirklicht sich an unserer Schule in folgenden Weisen:

  • „Tage religiöser Orientierung und geistlicher Besinnung“: Die „Besinnungstage“, die derzeit in den Jahrgangsstufen neun und elf (Q1) angeboten werden, eröffnen den Schülern die Möglichkeit, sich in ganzheitlicher Weise mit sich, mit den anderen und mit den Fragen nach dem Sinn des Lebens, Gott und der Welt auseinander zu setzen. An ausgewählten Orten, u.a. die Wildenburg/ Eifel, Kloster Steinfeld/Eifel, Weimar und das Konzentrationslager Buchenwald, aber auch Taizé, finden junge Menschen einen entsprechenden Reflexionsraum außerhalb von Schule. Während dabei in der Mittelstufe mehr Gewicht auf die konkrete Beschäftigung mit dem anderen und der eigenen Klassengemeinschaft gelegt wird, ist die Zeit in der Oberstufe eher geprägt von den Fragen nach dem eigenen Leben im Hinblick auf Berufs- und Studienwahl. Das Angebot verschiedener Methoden (Meditationselemente, eutonische Leibübungen, Gesprächsrunden und Gruppenarbeiten, Filmgespräche, Spaziergänge, Sport und Spiel, Impulsgottesdienste, geistlicher Tagesrückblick, Gebet der liebenden Aufmerksamkeit etc.) soll helfen, sich selber besser zu verstehen, dem anderen näher zu kommen und eine Beziehung zu Gott aufzubauen bzw. zu vertiefen.
  • Wallfahrten, die eine lange Tradition an unserer Schule kennen und in den Jahrgangsstufen 5 (Aachener Dom), 7 (Kornelimünster ) und 8 (Moresnet) zu verschiedenen Orten führen– vorbereitet im Religionsunterricht
  • „Exerzitien im Alltag“ sind ein besonderes Angebot an die Mitarbeiter und Eltern unserer Schule. In enger Zusammenarbeit mit dem Exerzitienhaus der Aachener Franziskanerinnen soll über sechs Wochen das alltägliche Leben mit Gott intensiviert werden.
  • Als Zeichen unseres christlichen Fundamentes erhalten alle Sextaner auf Wunsch der Mitglieder des Fördervereins von diesem zu Beginn ihrer Schulzeit eine Bibel (mit einer Widmung) geschenkt, die innerhalb eines Gottesdienstes gesegnet und von der Vorsitzenden des Vereins ausgehängt wird.
  • die an vier Vormittagen offene Schulkirche, in der sich auch das Büro der Schulseelsorge befindet, bietet die Möglichkeit zum Rückzug, zur Besinnung, zum Gebet, aber auch zum persönlichen Gespräch
  • die oft im Religionsunterricht durchgeführte Vorbereitung der Schulgottesdienste, da in regelmäßigen Abständen die verschiedenen Klassen und Religionskurse der Oberstufe die Verantwortung für die Gestaltung der Schulmessen haben, fordert die Schüler heraus, sich mit dem Glauben auseinanderzusetzen und dieses Glaubenszeugnis in den Gottesdienst einfließen zu lassen.
  • die Kirchenführung in den verschiedenen Jahrgangsstufen, besonders zu Beginn der Klasse fünf, führt an den gestalteten Kirchenraum als Glaubenszeugnis heran und findet im Rahmen des Religionsunterrichts statt.
  • am Beginn der Jahrgangsstufe fünf besucht der Schulseelsorger jeder Klasse und bespricht mit dieser die Aufgaben der Seelsorge im Rahmen der Schule
  • die Sakramentenpastoral im Rahmen des Religionsunterrichts, aber auch im Hinblick auf die Feier von Taufe, Firmung oder Trauung, soll helfen, den eigenen Glauben zu vertiefen

3. Diakonia – Nächstenliebe

Diese Grundfunktion der Kirche verwirklicht sich an unserer Schule u.a. in folgenden Weisen und wird von der Seelsorge unterstützt bzw. getragen:

  • Patenschaften mit Einrichtungen für Kinder in Bolivien und Rumänien sowie der Anlaufstelle für Nichtsesshafte „Café Plattform“, für die immer wieder auch in den Gottesdiensten kollektiert wird.
  • Die am Nikolaustag durchgeführte Nikolausaktion soll die Verantwortung der Schüler für die Patenschaften mit Bolivien und Rumänien wach halten und dem Nikolausfest im Jahreskreis einen festen Platz gewähren.
  • Auch der „Faire Handel“ hat an unserer Schule einen Platz. Mehrmals im Jahr gibt es Angebote aus dem fairen Handel (z.B. am Pius-Fest). Mit dieser Aktion unterstützen wir die Menschen, die hart arbeiten müssen, um diese Produkte zu ernten und für den Transport vorzubereiten.
  • Projekte mit den in Aachen ansässigen Hilfswerken. Gemeinsam werden aktuelle Situationen aufgegriffen und Menschen, besonders Kindern in Not geholfen. Dazu zählt die besondere Gestaltung der Schulmesse, das Einsammeln von Spenden, aber auch die Information darüber, wie die Gelder verwandt wurden (vgl. Haiti oder Pakistan)
  • Besuchsgruppe im Seniorenhaus Lourdesheim. Eine Gruppe von Schüler hat die ehrenamtlich Betreuung älterer Mitbürger übernommen (spazieren gehen, Gesellschaftsspiel spielen, vorlesen etc.)
  • Kooperation mit der Viktor-Frankl-Schule für Menschen mit Behinderungen und der Grundschule Passstraße, die Kinder aus sozialen Brennpunkten beschult.
  • Die Durchführung des Sozialpraktikums mit anschließender Reflexion im Religionsunterricht.
  • Die Arbeitsgemeinschaft Amnesty International, die immer wieder Aktion in den Schulgottesdiensten und in der Schulkirche durchführt.
  • Hilfe in Konfliktsituationen: den Schülern unserer Schule wird das Angebot gemacht, sich in besonderen Konfliktsituationen mit eigens dazu ausgewiesenen Lehrern in Verbindung zu setzen und von dort Hilfestellung zur Bewältigung der Probleme zu erhalten.
  • Angebot der sog. kollegialen Beratung“ durch den Schulseelsorger (bei Bedarf)

4. Koinonia – Gemeinschaft

  • Diese Grundfunktion der Kirche verbindet letztlich die vorher ausgeführten Punkte, wird unterstützt von verschiedenen Fachkonferenzen und zeigt sich u.a. in den Festen und Feiern der Schulgemeinde.
  • Die Gemeinschaft der Kirche vor Ort in Verbundenheit mit der Pfarrgemeinde St. Gregor von Burtscheid wird genauso gepflegt wie die Verbindung zum Bistum Aachen, indem die Schule Kontakte zu beiden übergeordneten Ebenen hält, u.a. durch die Gespräche mit den Verantwortlichen oder gottesdienstliche Feiern in der Kirche St. Gregorius wie im Hohen Dom.
  • Kooperation mit den Armen-Schwestern vom hl. Franziskus (Aachener Franziskanerinnen)
  • Getragen wird die Schulseelsorge von einer Initiativgruppe, die unter der Leitung des Schulseelsorgers aus einem ausgewählten Kreis des Lehrerkollegiums besteht. Diese Initiativgruppe versteht sich, wie der Name schon ausführt, als Impulsgeber und Mitgestalter, nicht jedoch als alleiniger Träger der Seelsorge an unserer Schule (vgl. I.2), sondern versucht, verschiedene Menschen zusammenzuführen und an bestimmten Projekten verantwortlich zu beteiligen.

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Wilhelm Derichs