Für alle Schüler/innen des Bischöflichen Pius-Gymnasiums findet am Ende der Jahrgangsstufe 11.1 ein zweiwöchiges Sozialpraktikum statt.
Dieses Sozialpraktikum verbindet in idealer Weise verschiedene Aspekte des Schulprogramms, denn Persönlichkeitsentfaltung und soziales Lernen werden ebenso gefördert wie Selbstverwirklichung in sozialer Verantwortung.
Ziel eines solchen Praktikums ist es, den Schüler/innen verständlich zu machen, dass, entgegen allem Subjektivismus und allem Hang zur übersteigerten Selbstverwirklichung und Entsolidarisierung, Mitmenschlichkeit und die Erziehung dazu ein elementarer Grundwert menschlichen Lebens ist. (Compassion – Ein Praxis- und Unterrichtsprojekt sozialen Lernens: Menschsein für andere; in: Engagement, Zeitschrift für Erziehung und Schule, 2–3/1994, vgl. S. 268–269)
Das Pius-Gymnasium hat als Freie Schule einen vom Gesetzgeber gewollten Gestaltungsfreiraum, zu dessen Gestaltung das Sozialpraktikum im Hinblick auf das pädagogische und christliche Profil der Schule einen wichtigen Beitrag liefert.
Das Sozialpraktikum entspricht der Vorstellung, dass Bildung mehr sein muss als Wissensvermittlung, um zur Persönlichkeitsbildung entscheidend beitragen zu können.
Durch eine eingehende Information der Eltern und Schüler/innen, sowie durch ergänzende schulische Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit Fachleuten sozialer Einrichtungen, vor allem aber durch ein breites Spektrum an Praktikumsstellen, das sich nicht nur auf pflegerische Berufe beschränkt, und eine qualifizierte Betreuung während des Praktikums sowie eine Nachbereitung im Rahmen des Religionsunterrichts, sollen eventuelle Ängste und Bedenken von Schüler/innen beziehungsweise ihren Eltern abgebaut und neue Erkenntnisse gewonnen werden.
Das Sozialpraktikum soll Anstoß und Motivation zu einer positiven Persönlichkeitsentwicklung geben. Durch die direkte Erfahrung und authentische Begegnung mit anderen Lebenswirklichkeiten als der des bisher erfahrenen, privilegierten und behüteten Lebens in Familie und Schule soll es Bewusstsein für den Mitmenschen wecken und Sensibilität im Umgang mit Benachteiligten und Hilfsbedürftigen schärfen.
Das Erfüllen von Pflichten, das Akzeptieren von Verantwortung, das Ergreifen von Eigeninitiative, die Erfahrung vielfältigster menschlicher Reaktionen, das Gefühl des Helfenkönnens und Gebrauchtwerdens, aber auch der eigenen Ohnmacht und Schwäche; all dies kann dazu beitragen, den Jugendlichen bei ihrer Lebensorientierung und der Entwicklung einer Sinngebung ihres Lebens zu helfen (vgl. Compassion, S. 272).
Die Erfahrungen in den ersten Jahren nach der Einführung des Sozialpraktikums zeigen, dass es von allen Beteiligten positiv aufgenommen wird und inzwischen einen festen Bestandteil des Schullebens darstellt.
Rainer Theß






